Die Kunst NEIN zu sagen - Pro Age Yoga by Elena Lustig
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Die Kunst NEIN zu sagen

Wie können wir für 2019 die richtigen Entscheidungen treffen? Das ist wirklich nicht einfach! Ich kann nämlich nicht gut NEIN sagen. Jedes Mal, wenn jemand etwas von mir will, ich einen Job angeboten bekomme, oder sich Yoga-Möglichkeiten auftun, sage ich gerne JA. Ich fühle mich geehrt und freue mich, dass Menschen mit mir arbeiten wollen. Das führt aber leider regelmäßig dazu, dass sich mein Kalender so dicht füllt, dass kaum noch Lücken bleiben. Dann fühle ich mich gestresst und frage mich: wie konnte das passieren? Wann, an welcher Stelle und zu wem hätte ich NEIN sagen sollen?

Mein Jahr 2018 sollte ruhiger werden. Mein Ziel war es, mindestens einen Gang runter zu schalten und mich zu fokussieren. Meine vielen Berufe wollte ich reduzieren, um mehr Klarheit bekommen. Zu diesem Zweck fing ich eine Coaching-Ausbildung an, die am Ende dazu führte, dass ich jetzt noch einen zusätzlichen Beruf habe, also genau das Gegenteil dessen, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Ich war sehr viel unterwegs, zum Unterrichten, aber auch mit der Familie. Alle Ferien wurden maximal ausgenutzt. Außerdem hatte ich tolle Angebote aus der Film-Welt, die ich fast alle zugesagt habe…

Jetzt ist 2018 vorbei und ich stelle fest, dass das JA-Sagen ein Problem ist. Wir Frauen denken oft: wenn ich nett bin, dann bekomme ich, was ich will. Also sage ich JA, dann mögen mich alle. Wir kommen schlecht damit klar, Menschen mit einem NEIN möglicherweise vor den Kopf zu stoßen. Bei mir kommt hinzu, dass ich gerne unentbehrlich sein möchte. Also die einzige, die diesen Film schneiden kann, die einzige, die an diesem tollen Ort ein volles Retreat unterrichten kann, die einzige, die dieses Buch schreiben kann. Das Gefühl, unersetzlich sein zu wollen, treibt mich vor sich her. Warum eigentlich?

Ehrlich gesagt, ist es oft die Angst, dass ich tatsächlich ersetzt werden könnte. Ist mir auch schon oft genug passiert. Plötzlich wurde jemand anderes gefragt, machte den Job gut und alle waren happy. Nur ich nicht. Nachdem meine Enttäuschung abgeflaut war, stellte ich fest, dass diese Lücke, dieses Ersetzt-Worden-Sein, mir eigentlich einen Gefallen getan hat: es entstand Raum für etwas Neues, andere Ideen, andere Filme, andere Orte. Nur: ich hatte es nicht selbst entschieden und fühlte mich wie ein Opfer der Umstände.

Die Frage ist also: wie gestalten wir unsere Umstände so, dass wir aktiv handeln und selbst entscheiden, was in unserem Leben passiert und was nicht? Natürlich gibt es nie die volle Kontrolle, natürlich können Zufälle zu den tollsten Ergebnissen führen. Aber wenn wir kein Opfer der Umstände sein wollen, ist es hilfreich, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

  1. Weniger ist mehr.

Überall mit mischen zu wollen, kann nur zu Stress führen. Das beginnt mit der Erreichbarkeit. Unser Handy macht uns zu Sklaven der Bedürfnisse anderer Leute. Wenn wir selbst eine Nachricht schicken, oder jemanden anrufen, dann tun wir das aus einer Situation heraus, die für uns passt. Aber wo und unter welchen Umständen erreicht die Nachricht den Adressaten? Whatsapp Gruppen sind die Hölle für Menschen, die reduzieren wollen. Da kommen manchmal im Minuten-Takt Nachrichten an, die noch nicht mal für uns direkt bestimmt sind.

Verabredungen, Vernissagen, Kinofilme, Parties, Konzerte, Kurse, Ausbildungen, Kurztrips, Reisen. Immer denken wir, unser Leben ist reicher, wenn wir mehr machen, mehr sehen, mehr hören, mehr erleben. So sausen wir umher, von einem Angebot zum anderen und kommen dabei ganz schön aus der Puste.

Was wir dabei völlig aus den Augen verlieren, ist unser innerer Reichtum, die Welt, die wir in uns tragen und die wir in der Regel sehr wenig erforscht haben. Wer kann schon von sich sagen, dass er sich regelmäßig zurückzieht, um das Erlebte und alle Eindrücke nachwirken zu lassen, um zu resümieren, Bilanz zu ziehen.

Jeder Mensch, der regelmäßig meditiert, kennt die Verabredung mit sich selbst. Wenn wir uns selbst spüren, kann das unangenehm sein. Keine Ablenkung, nur wir selbst, keine Schuldzuweisung, nur wir selbst. Uns so zu sehen und zu spüren, wie wir sind, uns selbst so anzunehmen, ist nicht immer leicht und schön. Es führt aber zu stetiger Entwicklung und vor allem zu Klarheit darüber, was wir wirklich brauchen.

  1. Ein NEIN ist ein immer auch ein JA.

Wenn wir erkennen, dass unsere Zeit die einzige Ressource in unserem Leben ist, die kontinuierlich abnimmt, sollten wir sofort beginnen zu sortieren. Menschen, Jobs, Orte, Dinge, Events:

Was wollen wir wirklich in unserem Leben haben?

Wer inspiriert uns und mit wem wollen wir unsere Zeit verbringen?

Welcher Ort auf der Welt macht uns glücklich?

Welche Arbeit erfüllt uns und bringt uns voran?

Was müssen wir besitzen und vor allem: was nicht?

Wenn wir uns ganz bewusst dafür entscheiden und klar damit werden, wozu wir JA sagen, dann grenzen wir damit automatisch andere Dinge aus. Das JA führt also direkt zu einem NEIN. Und umgekehrt: jedes NEIN zu etwas Bestimmten bedeutet ein JA zu etwas Anderem. Es ist also eine Frage der Definition. Wir haben alle nur 100% unserer eigenen Zeit – nicht mehr und nicht weniger und die Frage ist: wofür geben wir unsere Zeit aus? Die englische Formulierung „to spend time“ bringt das sehr gut auf den Punkt.

Und um wieder auf die Angst vor Ablehnung zurück zu kommen: ist es nicht viel schlimmer, wenn wir selbst unglücklich sind mit den Entscheidungen, die wir treffen? Wenn wir die Bedürfnisse anderer vor unsere eigenen stellen und uns am Ende selbst ablehnen?

Die Lösung heißt: Self-Care. Wer sich gut um sich selbst kümmert, mit seinen Kräften haushaltet, an den richtigen Stellen JA sagt, um dadurch leichter NEIN sagen zu können, der ist auf einem guten Weg. Reduce to the max! Reduziere auf das Wesentliche!

 

In diesem Sinne, mit klaren Gedanken und einem liebevollen Herzen wünsche ich Dir ein gutes und erfülltes 2019!

 

Deine Elena