Yoga und Meditation können uns daran hindern glücklich zu sein. - Pro Age Yoga by Elena Lustig
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Yoga und Meditation können uns daran hindern glücklich zu sein.

Echt? Ja, das kann passieren und ich fürchte, es ist gar nicht so selten. Läuft bei Dir auf der Matte oder auf dem Meditationskissen alles so, wie Du es Dir vorstellst?

Wir wollen alle glücklich sein, wir meinen sogar, einen Anspruch auf Glück zu haben.

Meistens denken wir, wenn wir etwas erreicht haben oder etwas besitzen, dann sind wir glücklich. Unser ganzes Leben soll Bitteschön glücklich sein. Wir tun alles, um das zu erreichen, immer wieder. Aber wie lange hält das Glück an, wenn es mal da ist und wie lange können wir das, was wir haben, wirklich genießen? Wann schleicht sich der nächste Wunsch an? Je mehr wir uns an Bedingungen binden, um glücklich zu sein, desto labiler ist unser Glück. Denn die äußeren Bedingungen ändern sich, sind nicht von Dauer und selten laufen die Dinge genauso, wie wir uns das wünschen.

Ich war immer auf der Suche. Nach neuen Impulsen, nach mehr Wissen, nach anderen Aspekten. Eine Ausbildung kam zur anderen. Und je tiefer ich in die Materie eintauchte, desto mehr erkannte ich, dass es da noch mehr zu wissen und lernen gab.Das Gefühl, nicht genug zu wissen oder zu können ist genauso verführerisch, wie das Gefühl, nicht genug zu haben. Wann also ist es genug? Wann bin ich genug? Wann weiß ich genug? Wann ist das, was ich kann und das, was ich bin, ausreichend?

Eines der Heilsversprechen von Yoga und Meditation ist, dass wir glücklicher und zufriedener sind, wenn wir regelmäßig praktizieren. Was aber, wenn dieses Umfeld uns genau das Gegenteil davon beschert?

Wer kennt das nicht: die Yogastunde, in der die Frau auf der Matte neben uns besser klarkommt, toller aussieht, glücklicher zu sein scheint. Oder das Meditations-Retreat, wo alle außer uns selbst, im Zustand der Glückseligkeit zu schweben scheinen, während unser Geist wie eine Flipper-Kugel ununterbrochen herum schießt? Der Vergleich mit anderen Menschen ist das, was Unfrieden bringt. Der Blick nach rechts und links, die Orientierung an dem, was uns zu fehlen scheint, schafft Unruhe. Ich dachte früher oft, dass ich bestimmte Yogastellungen niemals können würde. Und oft fühlte sich meine Meditation so falsch an, dass ich keine Lust mehr hatte, weiter zu machen. Ich dachte: Andere Menschen können etwas, das mir verschlossen und verborgen bleibt. Obwohl ich das ziemlich frustrierend fand, gab es trotzdem immer wieder mal Momente, in denen ich spüren konnte, dass sich in mir etwas bewegt und ich das Gefühl hatte, voranzukommen mit mir selbst.

Es ist sinnvoll, nach innen zu schauen und unsere Zeit und Energie in etwas zu investieren, was langfristig wirken kann. Unser Innenleben ist der Schlüssel zum Glücklich-Sein. Je besser wir uns selbst kennen, je mehr wir in Frieden mit dem sind, was wir in uns selbst wahrnehmen, umso leichter können wir uns entspannen und eine konstante Temperatur der Zufriedenheit kultivieren.

Wer von seiner Yoga- oder Meditations-Praxis erwartet, dass sie ihn glücklich macht, hat Unglück vorprogrammiert.

Yoga und Meditation sind Expeditionen in unser Selbst: Momente, in denen wir abtauchen können, ganz mit unserem Inneren konfrontiert und mit dem, was dann auftaucht. Es geht dabei nicht darum, was die anderen vermeintlich machen oder können, die haben ihre ganz eigenen Expeditionen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, was uns selbst betrifft und akzeptieren, dass der Blick nach innen nicht immer leicht ist. Festzustellen, wo es hakt, was uns schwerfällt, wo weder Körper noch Geist so „funktionieren“ wie wir es gerne hätten, ist tatsächlich herausfordernd. Unser Anspruch auf Glück ist dabei eher hinderlich.

Wenn wir aber bereit sind, hinzuschauen und unsere Herzen dem zu öffnen, was in uns selbst arbeitet, uns herausfordert, uns unglücklich macht, dann können wir wachsen. Wenn wir bereit sind, auch das zu akzeptieren, was nicht „perfekt“ ist, wenn wir das annehmen, was wir vorfinden, wenn wir sogar lernen, darüber zu lachen, öffnet sich eine neue Tür in uns, die uns ein nachhaltiges Glücksgefühl schenken kann.

Solange wir hadern, solange wir suchen, solange wir unserem Glück hinterherlaufen, brauchen wir Mut, um weiter zu machen und unsere Yoga- und Meditationspraxis als einen Ort der Begegnung mit uns selbst zu feiern. Mit allem, was wir dort vorfinden.

Und wer weiß schon, ob die Frau auf der Matte neben uns nicht genauso denkt und fühlt, wie wir? Und ob hinter den geschlossenen Augen der anderen Meditierenden nicht das gleiche Kopf-Kino abläuft, wie bei uns? Höchstwahrscheinlich!